Hallo Leute, ich plane gerade die Umstellung meiner Regelungsparameter für die Heißgasabtauung in unseren Kühlregalen. Da es jetzt morgens doch deutlich frischer wird, habe ich das Gefühl, dass meine Standardeinstellungen für die Dauer der Abtauung nicht mehr optimal greifen. Ich möchte sicherstellen, dass die Anlage trotz der sinkenden Umgebungstemperaturen im Technikraum nicht zu lange unter Volllast läuft und dabei Energie verschwendet. Wie handhabt ihr das bei euren Anlagen? Nutzt ihr bei diesen Witterungsbedingungen bereits eine adaptive Abtauung über die Druckdifferenz, oder fahrt ihr weiterhin mit festen Zeitintervallen? Ich bin mir unsicher, ob eine Reduktion der Abtauzyklen bei der aktuellen Luftfeuchtigkeit kontraproduktiv ist, da sich das Eis ja doch schneller bildet als im Hochsommer. Ich freue mich über einen kurzen Austausch oder den einen oder anderen Erfahrungswert, wie ihr die Regelung für den Herbst/Winter justiert. Mir geht es vor allem darum, den COP über die nächsten Monate stabil zu halten und den Verschleiß am Verdichter zu minimieren.
Optimierung der Heißgasabtauung in Gewerbekälte bei Kälteperiode
Hallo Sven, eine sehr berechtigte Frage. Wir setzen in unseren Projekten bei gewerblichen Anlagen mittlerweile fast ausschließlich auf adaptive Abtauverfahren basierend auf der Druckdifferenz über dem Verdampfer. Die starren Zeitintervalle führen gerade in der Übergangszeit bei schwankender Luftfeuchtigkeit entweder zu unnötiger Energieverschwendung oder zu einer unzureichenden Abtauung. Durch die Nutzung intelligenter Regler kannst du den COP signifikant stabilisieren. Wenn du die ChemKlimaschutzV und die geltenden Sicherheitsvorschriften beachtest, ist der Umbau auf eine druckabhängige Steuerung auch nach den VDI-Richtlinien zur Effizienzsteigerung sehr zu empfehlen. Achte beim Umbau darauf, dass die Druckaufnehmer fachgerecht kalibriert sind, um Fehlmessungen durch Kondensatbildung am Sensor zu vermeiden.
Danke Markus für die schnelle Rückmeldung. Den Umstieg auf eine druckgeführte Regelung habe ich auch schon ins Auge gefasst, war mir aber wegen der initialen Investitionskosten unsicher. Hast du Erfahrungswerte, wie lange sich die Amortisation bei einem mittleren Kühlregalbestand in etwa hinzieht? Wie gehst du dabei mit dem Thema F-Gase-Verordnung um, falls ich die Kältemittelleitungen für die Drucksensoren anpassen muss? Ich möchte natürlich vermeiden, dass ich hier unnötige Leckageprüfungen oder gar eine Rückgewinnung vornehmen muss, wenn es sich vermeiden lässt.
Sven, vergiss bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht die aktuellen GEG-Anforderungen. Die Effizienz der Anlage muss über die gesamte Betriebszeit dokumentiert werden. Wenn du die Abtauzyklen reduzierst, sinkt auch die thermische Belastung des Verdichters erheblich, was die Lebensdauer laut unseren Wartungsprotokollen um bis zu fünfzehn Prozent verlängern kann. Ich würde dir raten, die Sensoren möglichst als tauchfeste Ausführung zu wählen. Bei der Installation solltest du als Elektrofachkraft besonders auf die elektromagnetische Verträglichkeit achten, da in Technikräumen durch Umrichter oft Störungen eingestreut werden. Ein geschirmtes Kabel ist hier absolute Pflicht, um keine fehlerhaften Abtauimpulse auszulösen.
Ich melde mich mal kurz aus der Betreiberperspektive. Wir haben bei uns im Markt letzten Herbst auf adaptive Abtauung umgestellt. Was mir sofort positiv aufgefallen ist, ist die deutlich konstantere Temperatur im Kühlgut. Früher hatten wir durch die langen festen Zyklen immer diese typischen Temperaturspitzen nach der Abtauung, was das Produkt nicht gerade besser gemacht hat. Der COP ist laut unserem Energiedatenmanagement um gut acht Prozent gestiegen. Wenn man bedenkt, dass wir die Kosten für die Umrüstung fast vollständig durch die eingesparte Energie in der ersten Heizperiode wieder drin hatten, war die Entscheidung goldrichtig. Man sollte nur schauen, dass das Personal regelmäßig geschult wird, um Fehlermeldungen der neuen Steuerung korrekt zu interpretieren.
Nabend zusammen. Ich sehe das etwas kritischer. Adaptive Abtauung ist zwar theoretisch top, aber in feuchter Umgebung neigen die Drucksensoren bei mir regelmäßig zum Vereisen. Wenn der Differenzdruck dann falsch interpretiert wird, bleibt das Eis auf dem Verdampfer stehen und der Verdichter arbeitet gegen ein fast vollständig blockiertes Paket. Ich fahre daher im Herbst eine Kombination aus Zeitintervall und einer zusätzlichen Temperaturüberwachung am Verdampferende. Das ist robust, wartungsarm und entspricht auch den strengen Vorgaben einer zertifizierten Anlage. Bevor du auf volle Automatisierung gehst, prüfe bitte, ob deine Verdampfergeometrie überhaupt für adaptive Abtauzyklen ausgelegt ist. Nicht jeder Wärmetauscher verträgt die kurzen, aber häufigeren Schaltspiele bei Teillast.
Danke für die kritische Anmerkung Torsten, das ist ein wichtiger Punkt mit der Verdampfergeometrie. Ich werde mir die technischen Unterlagen meiner Modelle nochmals genau anschauen, bevor ich da groß in die Regelungstechnik eingreife. Die Kombination aus Zeitintervall und Temperaturüberwachung klingt tatsächlich nach einem sehr sicheren Mittelweg, der weniger anfällig für Messfehler durch Kondensat ist. Eure Tipps haben mir sehr geholfen, das Thema neu zu bewerten. Ich werde wohl erst einmal eine zusätzliche Temperaturmessung nachrüsten, um die Abtauzeiten dynamisch zu begrenzen, anstatt direkt das komplette System auf Differenzdruck umzubauen. Das hält die Kosten im Rahmen und bringt hoffentlich schon die gewünschte Effizienzsteigerung für den kommenden Winter.
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